Von Kinshasa nach Dortmund – Vergleichbare Entwicklungen von Initiativen und die Konsequenzen

- Kommentar zum Besuch beim Planerladen in Dortmund von Boniface Mabanza -

In der kongolesischen Hauptstadt sind zahlreiche stadtteilbezogene Initiativen zu beobachten, die in einigen Aspekten mit dem Planerladen Dordmund verglichen werden könnten.

Vielfältige Handlungsbereiche und Arbeit gegen Stigmatisierung
Sie nehmen eine grosse Vielfalt von Handlungsfeldern wahr: Alphabetisierung, Aufklärungsarbeit, Betrieb von Polikliniken für die Ärmsten der Armen und Beschaffung von Arbeitsplätzen vor allem für Frauen.
Wie der Planerladen in Dortmund entstehen solche Initiativen in Kinshasa in armen Stadtvierteln, deren Entwicklung nicht zu den Prioritäten der Stadtverwaltung gehören, wobei der Abstand zwischen Reichen und Armen in Kinshasa krasser ist als in Dortmund. Sie sind arm, die Mehrheit ihrer Bevölkerung hat ein niedriges Bildungsniveau und sie gelten als soziale Brennpunkte. Deswegen werden die Einwohner dieser Stadtvierteln ständig stigmatisiert. Die jeweiligen Initiativen arbeiten daran, diesem Bild entgegenzuwirken und das beste in ihren jeweiligen Stadtvierteln zu unterstreichen.

Ambivalentes Verhältnis zur Stadt ...
Das Verhältnis solcher Initiativen zur Stadtverwaltung ist in Kinshasa ambivalent. Sie kooperieren mit der Stadtverwaltung, wenn es darum geht, gemeinsam Projekte durchzuführen. Dies ist der Fall, wenn ein Projekt der Planung der Stadtverwaltung entspricht und von ihr finanziell, materiell und an Personal unterstützt wird. Sie wissen, wie sie bei Bedarf ihre Verbündeten bei der häufig korrupten Stadtverwaltung zu finden. Das Verhältnis zur Stadtverwaltung ist auch konfliktbeladen. Konflikte entstehen, wenn es darum geht, Projekte durchzusetzen, die von der Stadtverwaltung abgelehnt werden oder wenn es darum geht, gegen eine Maßnahme der Stadtverwaltung Widerstand zu leisten. Diese Ambivalenz ist auch beim Planerladen zu beobachten: Er nimmt öffentliche Mittel in Anspruch und nutzt jede Gelegenheit, in einen Dialog mit der Stadtverwaltung zu treten. Im Falle eines Konflikts mit der Stadtverwaltung bringt er bringt höhere Ebenen wie das Land, den Bund, die EU ins Spiel.

... und Konsequenzen für die politischen Forderungen
Dieses vielseitige Verhältnis zur Stadtverwaltung hat Konsequenzen, was die politischen Forderungen angeht. Bei vielen Initiativen in Kinshasa fehlt es an Radikalität. Die projektbezogene Arbeit erlaubt es in den meisten Fällen nicht, eine grundlegende Analyse der Probleme der Stadtverwaltung vorzulegen. Sie kann höchstens zu kleinen Korrekturen in der Stadtverwaltung führen. Es fehlt an notwendigem Potential für eine grundlegende Veränderung. Dies gilt auch im gewissen Maße für den Planerladen. Es ist ihm noch nicht gelungen, einen demokratischen Umgang mit der Macht und mit den Ressourcen bei der Stadtverwaltung zu bewirken. Er nutzt die sich ergebenden Handlungsräume, um seine Ziele durchzusetzen. Aber die Machtstruktur in der Stadt und die Verteilung der Ressourcen bleiben beim Alten. Der Planerladen selbst muss viel Lobbyarbeit, z.B. Überzeugungsarbeit durch einzelne Gespräche und durch Workschops, in Kauf nehmen, um daran zu kommen. Er hat das Glück, die Ressourcen dafür zu haben. Eine kleine Initiative, die über solche Ressourcen nicht verfügt, hat kaum eine Chance etwas durchzusetzen. So bleibt die Herausforderung einer effizienten und transparenten Verwaltung immer gegeben. Die Logik der neoliberalen Globalisierung, die die Stadt in die Ohnmacht treibt, wird nicht in Frage gestellt, sondern zum eigenen Nutzen umgedreht.

Stellvertretende Machtstrukturen
Im Kongo im Allegmeinen und in Kinshasa im Besonderen hat sich eine grosse Skepsis gegenüber stark professionalisierten NGOs entwickelt. Dies hängt mit der Tatsache zusammen, dass viele ihre Tätigkeiten ausnutzen, um Macht und finanzielle Vorteile zu erobern. Somit geraten ihre ursprünglichen Ideen in Vergessenheit und es geschieht ein Machttransfer von der Politik zu den Technokraten. Beide, Politik und Technokraten, schließen die Basis von Entscheidungsprozessen aus: die Ersten durch eine vertikale Machtstruktur, die Zweiten durch eine stellvertretende Machtstruktur, auf die die Basis keinen oder wenig Einfluss hat, aber die von der Überzeugung ausgeht, die Interessen der Basis besser zu verstehen und zu verteidigen. Wenn die Technokraten noch Bezug auf die Anliegen der Benachteiligten nehmen, dann nur um ihrer eigenen Sache zu dienen. Diese Fehlentwicklung einiger Basisinitiativen hat in Kinshasa zu einer grossen Kultur des Verdachts geführt. Dort mobilisieren nur überschaubare Strukturen, die durch Konsultationsprozesse nah an der Basis bleiben und bei denen den Beteiligten ernste patizipative Wege eingeräumt werden.


» Kommentar / Comment / Comentario »

Name Merken
Email
http://
Nachricht
  <?>