Planerladen Dortmund - Kommentar

- von Graciela Draguicevich - 

Unter der Prämisse: „Alle Basisorganisationen sind notwendig, wir alle machen etwas sinnvolles.“
Der Planerladen erscheint beinahe wie ein Staatsunternehmen, wegen der breiten Themenpalette und der Oberflächlichkeit, mit der diese behandelt werden. Es scheint um die Herstellung eines Ausgleichs zwischen Reichen und Armen zu gehen, zwischen Eigentümern und Mietern, zwischen Einwanderern und Einheimischen. Ist das etwa nicht die wichtigste Aufgabe des Staates? Natürlich fließt die meiste Arbeit in Fundraising und Finanzierung, und die Struktur lehnt sich an das Hauptziel an: die Ressourcen. Sie reden von vielen Festangestellten, vielen Büros, vielen ausgezeichneten TechnikerInnen, permanenter Lobbyarbeit, damit die Regierung und die EU Vertrauen zu ihnen aufbauen, alles für´s Geld. Während sie sich bemühten, Ressourcen für ihre Ziele zusammenzubekommen, haben sie die Ziele aus den Augen verloren, oder – noch schlimmer – sie haben sie geschminkt, um sie ansehnlich für die Geldgeber zu machen. Mit der Zeit waren sie mit Staat und EU auf vertrautem Fuß, aber das entfernte sie per se von den Leuten, von denen sie behaupten, sie zu verstehen. So öffnete sich die Lücke zwischen den wahren Bedürfnissen der Bevölkerung und ihren Vorschlägen, und diese erscheinen oberflächlich und banal.

Beispiele zur Illustration:
(1) Deutschkurse: Der Planerladen verfügt über ein offizielles Zertifikat und bietet tatsächlich sehr gute Kurse, aber es wird zur Falle, wenn die Leute einen Euro pro Unterricht bezahlen sollen und dann nicht hingehen. Sie waren nicht nur unfähig, sich gegen diese Maßnahme zu wehren, sondern sind als reiche Organisation nicht einmal bereit, ihn zu subventionieren. Formalität, Gefälligkeit dem Staat gegenüber.
(2) Jugendzentren: Sie haben drei Zentren übernommen, die der Staat geschlossen hatte, in einem Privatisierungsmanöver. Letztlich waren sie, mit Finanzierung des Staates, Komplizen der staatlichen Politik.
(3) Die EU steckte viel Geld in den Planerladen, setzt aber zugleich die Ziele der $ und im letzten Jahr wurden bloß 14.000 €uro für Feste und Integrationserfahrungen verwandt. Sollte das in einer Stadt mit hoher Erwerbslosigkeit nicht das vorrangige Sanierungs-/Heilungsziel sein?
(4) Sie planen, die Zufahrten zur ärmsten Stadt zu verbessern, den Müll wegzuräumen etc.. Es stimmt, dass die Orte gut aussehen müssen, damit zahlungskräftiges Publikum diese Orte besucht. Aber: ist das denn das Wichtigste? Die Gesellschaft nimmt sie so wahr, dass sie dichter an den Unternehmensinteressen und denen des Staats dran sind, als an ihren eigenen Interessen. Daher hat der Planerladen wohl Probleme, die Leute zu erreichen. Es ist möglich, dass die Leute nicht aktiv mitmachen, weil sie nicht spüren, dass es in erster Linie um sie geht, weil sie als überflüssig und unwichtig gesehen werden.

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