Park Fiction
Wunschproduktion in einer globalisierten Stadt

- Kommentar zum Besuch in Hamburg von Boniface Mabanza -

41.jpgDer Park Fiction/ Hamburg ist eine Insel der Hoffnung. Er ist Ausdruck der mobilisierenden Funktion der Träume. Er ist geprägt vom schwierigen Entstehungsprozess aller alternativen Ideen und seiner Verwirklichung haben sich massive Kräfte in den Weg gestellt. Dass er durchgesetzt werden konnte, zeigt, dass man mit der Herstellung einer politisierten Öffentlichkeit, mit Kämpfen und Zielstrebigkeit viel erreichen kann.

Grundsätzliche Kritik an neoliberaler Globalisierung
Von seiner Entstehungsgeschichte und von seiner Gestaltung her symbolisiert dieser Park eine grundsätzliche Kritik an der neoliberalen Globalisierung. Hinter der neoliberalen Globalisierung steckt eine Logik, die alles daran mißt, was etwas bringt. So werden die Beziehungen von Menschen zueinander, aber auch zur Zeit und zur Natur einem Kriterium untegeordnet, dem zufolge, nur das Wert ist, was(finanziell, materiell) etwas bringt. Das ist diese Logik, die sich globalisiert. Sie ist die Basis für die Ausbeutung der Schwachen und der Natur. Indem sich der Park als Raum für Gemeinschaft und und Unterschiedlichkeit bietet, stellt er die neoliberale Stadt mit ihrer Konsumkultur und mit ihrer Funktionalität in Frage. Leben ist mehr als Konsum, mehr als kapitalistische Rentabilität. Diese grundsätliche Fragestellung ist genau die zu reflektierende Komponente, will man sich nicht damit begnügen, dauerhaft die Schaden zu begrenzen. Es geht um ein radikales Umdenken, denn es reicht nicht eine Kontrolle über die politische Sphäre und die wirtschaftlichen Prioritäten auszuüben. Wichtig ist es, die kulturelle Logik zu verändern, die die neoliberale Globalisierung prägt.

Die Entstehungsgeschichte zeigt, dass es ein Anliegen der beteiligten Leute war, ein Zeichen gegen die Homogenisierungstendenz der neoliberalen Globalieserung zu setzen. Die Beteiligten haben sich mit ihren spezifischen Möglichkeiten in den Prozess eingebracht. Ein partizipativer Prozess, der Raum für unterschidliches Denken hat, ist die Alternative zu einem neoliberalen Modell, bei dem es nur noch darum geht, sich anzupassen, sich ins Modell einzufügen. Die Propaganda lautet, dass es keinen Sinn macht, sich nicht ins System zu integrieren. Der Park zeigt, dass ein anderes Denken möglich ist.

Symbolische Ebene
Der Park hat viele starke Symbole. Mit aussagekräftigen Symbolen stellt er ein Protestpotenzial dar, das die Grenzen des Legalen überschreitet. Dieses Protestpotential wird im Kampf gegen die neoliberale Globalisierung benötigt. Angesichts des Fatalismus, der sich gegenüber den WTO-Verträgen und den Auflagen der Weltbank beobachten lässt, erinnern die grenzenüberschreitenden Symbole im “Park Fiction” daran, dass die Herausforderung für den Kampf nicht darin besteht, sich in den von der existierenden Konstellation definierten Raum zu bewegen, sondern darin, die Parameter dessen zu hinterfragen, die den legalen Raum des Kampfes definieren. Dass Rechte mit einer gewissen Radikalität durchgesetzt werden müssen, gehört zum guten Kampf.
Dass das Projekt von der Stadt finanziert wird, stört mich nicht, da ich nicht den Eindruck habe, dass diese Finanzierung die ursprüngliche Idee gefährdet. Es ist sogar eine Chance, wenn soziale Bewegungen es schaffen, ihre Ideen durchzusetzen und dabei die Politik in die Pflicht nehmen, die Kosten zu tragen. Wenn die Politik auf Wunsch der Lobbysten der Wirtschaft Geld für Projekte ausgibt, die den Erwartungen der Mehrheit der Bevölkerung nicht entsprechen, können sich die sozialen Bewegungen nicht erlauben, grundsätzlich öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen. Es gehört zum Widerstand gegen die Vereinahmung der Politiker durch die Wirtschaft, sie (Politiker) in die Pflicht zu nehmen, Projekte auf Wunsch der Bürger zu finanzieren.

Kritische Anmerkung
Kritisch anzumerken ist die Tatsache, dass das im Kampf für den Park entfaltete Potential und die im Park ausgearbeiteten Ausdrucksmöglichkeiten eine schwache Resonnanz haben. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Beteiligten selbst nicht genau schätzen, welche Bedeutung die von ihnen symbolisierte Kritik an der neoliberalen Globalisierung haben kann, nicht nur für Hamburg, sondern auch darüber hinaus. Damit fordre ich kein missionarisches Bewusstsein, sondern eine Thematisierung, die deutlich macht, welchen Bezug das Projekt sowohl zur Stadt als auch zu global agierenden Kräften hat und die auch das Exemplarische unterstreicht, das in anderen Kontexten ausgerarbeitet werden kann. Dies ist umso notwendig, dass das Projekt den Anspruch erhebt, Kunst und Politik zu verbinden, was ich begrüße. Bei dieser Verbindung ist es wichtig wach zu halten, welchen Inhalt diese Kunst überbringt, welche Zukunft sie öffnet und zu fragen, was sie bewirkt.

Weiterer Kommentar zu Park Fiction von Katrin Steiner

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