Park Fiction – Wünsche von unten und die Frage nach der Zukunft

- Kommentar zum Besuch bei ParkFiction in Hamburg von Katrin Steiner -

47.jpgWährend des Besuchsprogramms bin ich besonders gespannt auf die Strategien, die Selbstorganisationen ausprobiert haben, wenn es um die Auseinandersetzung mit städtischen Institutionen geht. Hier war der Besuch in Hamburg sehr bereichernd, weil eine große Vielfalt von Methoden und Wegen genutzt wurden, um die Menschen von St. Pauli direkt in den Kampf für den Park einzubeziehen.

"Das größte Begehren"
Von Veranstaltungen zur Bedeutung und Formen von Parks weltweit, politischem Protest, der Aneignung eines Stücks des umstrittenen Geländes bis hin zu den Action Kits, umfunktionierte Moderationskoffer, mit denen die Menschen in St. Pauli besucht wurden – es war auch vieles dabei, was mir in meiner politischen Praxis bisher noch nicht an Ideen begegnet ist. Besonders beeindruckend fand ich, dass das Team der Aktiven sich aus Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammensetzte: AnwohnerInnen, SozialarbeiterInnen, PastorInnen, KünstlerInnen. Gerade diese Vielfalt im aktiven Team hat es möglich gemacht, so viele Menschen wirklich zu erreichen und die Wunschproduktion nicht zu einer intellektuellen Veranstaltung werden zu lassen. Ein bisschen nachdenklich lässt mich allerdings die Entscheidungsfindung darum zurück, welche der vielen guten Ideen und Wünsche nun auch wirklich realisiert werden. „Das größte Begehren hat sich durchgesetzt“, meinte Margit. Ist es nicht aber so, möchte ich, auch durchaus selbstkritisch, fragen, dass Menschen, die sich in gruppendynamischen Prozessen sicherer bewegen, bei solchen Entscheidungen erfolgreicher sind? Menschen auch, die besser reden können und, wenn sie selbst nicht am Treffen teilnehmen können, wissen, wie wichtig es ist, andere als StellvertreterInnen zu schicken? Und, bei aller Problematik, wie wichtig sind eigentlich Fürsprecher, Menschen, die das noch einmal zu Gehör bringen, was andere schon vorher gesagt haben, dies aber nicht durchgedrungen ist, weil sie sich nicht so pointiert oder wortreich ausgedrückt haben? Was bedeutet es dann, „das größte Begehren hat sich durchgesetzt“?

Lokale Politikkonjunktur und die Rolle von Netzwerken
Spannend fand ich hingegen die Kombination von Kunst und Politik – gerade weil diese neue Wege eröffnet, Menschen für ihre Belange sensibel zu machen, aber auch, so jedenfalls die Aussage von Christoph und Margit, als Möglichkeit, in einem für die Politik fremden Bereich Öffentlichkeit zu schaffen und politischen Druck aufzubauen. Aber auch hier ist wieder einmal deutlich geworden, wie eng die Durchsetzung der eigenen Ziele mit der politischen Konjunktur vor Ort verflochten ist: Gerade im Jahr der Präsentation des „Parkkampfes“ auf der documenta in Kassel standen in Hamburg selbst Landtagswahlen an; zudem war die Lage in St. Pauli angespannt, weil kurz vorher ein Krankenhaus geschlossen worden war, was für große Entrüstung und Politisierung gesorgt hatte. Was bedeutet gerade dies aber für eine politische Praxis? Mir scheint, ein Netzwerk von Menschen, die all diese Prozesse im Blick haben und sich beraten ist fast der einzige Weg, die eigenen Ziele sorgfältig auch taktisch zu bedenken. Das erfordert viel Aufmerksamkeit, viel Kraft und vor allem Zeit. Heute ist es vielleicht auch deshalb so, dass es keine Gruppe mehr gibt, die sich regelmäßig trifft und den Kampf um den Park fortsetzt. Margit und Christoph scheinen die beiden zu sein, die sich noch immer mit der Stadt herumschlagen, um endlich das Archiv, das den Kampf um den Park dokumentiert, zu verwirklichen – dann, so ist es mir in Erinnerung geblieben, ziehen auch die beiden sich vom aktiven Kampf zurück. Nach zehn Jahren Kampf, den Höhen und Tiefen und der unglaublichen Energie, die dabei aufgebracht werden muss, ist das nur zu verständlich.

Nach dem Kampf ist vor dem Kampf?!
Trotzdem stellt sich für mich immer die Frage, was eigentlich nach dem eigenen Engagement, nach dem konkreten Projekt kommt. Dass es in St. Pauli weiterhin viel zu tun gibt, weil auch hier Gentrifizierungsprozesse und Probleme mit Rechten existieren, ist mir beim kleinen Rundgang durch das Viertel nur zu deutlich geworden. Und ließe sich die „Politisierung“, die durch den Park geschehen ist, nicht auch für so eine politische Arbeit nutzen? Gentrifizierung war ein großes Thema des internationalen Kongresses und der Ausstellung im Sommer 2003 – natürlich haben die Park Ficiton Leute also auch diese Problematik im Blick. Trotzdem bleibt die Frage, was passiert, wenn Margit und Christoph sich nun, verdientermaßen und verständlich, zurückziehen? Wäre es nicht doch einen Versuch wert, so wie es Rhoda Viajar vorgeschlagen hat, wieder eine Gruppe ins Leben zu rufen, die vielleicht noch einmal bei den Menschen in St. Pauli nachhört, was sie nun, nach so langen Jahren, über den Park denken. Und wer könnte über St. Pauli hinaus, auch eine politische Arbeit unterstützen, damit das, was dort erreicht wurde, nicht in Vergessenheit gerät und auch weiterhin und weltweit als Anregung für eine Politik gegen den Neoliberalismus dienen kann?

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