Kunst als Mittel der Politik

- von Karsten Peters -

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Überdurchschnittlich viele Hunde gibt es in St. Pauli - und das wahrscheinlich schönste Hundeklo der Welt mit Buchsbaumpudel im Mittelpunkt.

So genannte „linke“ Projekte haben in weiten Teilen der Gesellschaft und erst recht in parteipolitischen Sphären den Ruch des Radikalen, des Weltfremden, des ewig Nörgelnden. Vielen gelten Linke häufig als „faule Säcke“ die für ihr Überleben nicht arbeiten wollen, die nicht begriffen haben, dass der Sozialismus abgewirtschaftet hat und die Marktwirtschaft ihre bessere Eignung gezeigt hat, Wohlstand für alle zu schaffen. Nur partiell erfahren  „Linke“ breite Zustimmung, etwa wenn es um die Kürzung von Rentenansprüchen geht, um Krieg für den Zugang zu Ressourcen oder um Hartz IV. Schwerer zu vermitteln sind – zumindest im Norden – Schuldenerlass für arme Länder, Widerstand gegen die brutal durchgesetzten Interessen multinationaler Konzerne etc.
Aus dem Umkehrschluss dieser Gedanken zieht die Hamburger Initiative Park Fiction ihren Erfolg: es ging nicht darum, ein linkes autonomes Zentrum zu errichten, nicht um Solidarität mit zentralafrikanischen Ländern, sondern um die ganz konkrete Verhinderung eines Bauprojektes vor der Haustür, um das Schaffen eines Parks – und das in einer durch jahrzehntelange Gängelung durch Polizei und Politik ebenso genervten wie politisierten Umgebung. Dass die Idee offenbar aus der autonomen Szene kam, war vor allem deshalb kein Hinderungsgrund, weil die Initiative sofort breit aufgestellt wurde, niemand für sich das Recht in Anspruch nahm, Chef oder Vordenkerin zu sein und die BewohnerInnen des Viertels sich an ihrem Projekt beteiligten, ihr ureigenstes Interesse vorantrieben.
Mit breiter Mobilisierung auf nicht ausgetretenen Pfaden, bürgerlicher wie autonomer Initiative und vor allem mit der Verbindung von Kunst und Politik gelang es schließlich den Park zu realisieren – eine Gemengelage, die wohl nicht ohne weiteres reproduzierbar ist, aber Augen öffnen sollte. Gemäß der Annahme von Christoph Schäfer, künstlerischer Leiter des Projekts, dass die Parteipolitik sich auf der Ebene der Kunst nicht bewegen könne. Aber das allein macht noch keine Mobilisierung.
Das Leben eingehaucht haben dem Park die Menschen, befragt, besucht und aufgefordert mitzumachen. In der „Wunschproduktion“ zogen Beteiligte des Projekts durch das Viertel, besuchten die vielen PaulianerInnen mit Migrationshintergrund, Sozialhilfeempfänger, Prostituierte und Imbissbudenbesitzer mit ihren Multimediakoffern: Knetgummi, Buntstifte und Papier und eine Skizze des Geländes hatten sie im Gepäck. Die BewohnerInnen des Viertels hätten mit klassischen Umfragen genug schlechte Erfahrungen gemacht, um sich daran nicht mehr zu beteiligen, meinten die OrganisatorInnen. Probleme gab es dennoch genug: die Menschen konnten ihre Wünsche nicht äußern, waren so überrascht, dass sie tatsächlich nach ihrer Meinung zur Gestaltung des Viertels gefragt werden, dass sie sich selbst erst über ihre Wünsche klar werden mussten.

 

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 Kräne unter Palmen. Die stählernen Bäume sind so aufgestelle, dass eine Hängematte gut dazwischen passt.


Heraus gekommen ist ein Park, der verschiedenste, scheinbar widersprüchliche Elemente miteinander vereint – Liegewiese neben Hundeklo, stählerne Palmen an der Elbe, gegenüber den Schwimmdocks von Blohm und Voss. Und ein weiteres Problem: mit der Stadtverwaltung und den Hausbesitzern rund um den Park ist vereinbart worden, dass auf und an dem Gelände kein Kommerz stattfindet, kein Café, kein Eisverkäufer seine Waren anbietet. Eine Nachbarin aber musste ihr Haus verkaufen, der neue Besitzer baute das Haus zu einem schicken Bürogebäude um – und mit ihm haben die Park-Erbauer bisher nicht vereinbaren können, dass er im Erdgeschoss kein  Café eröffnet. Um die kommerzielle Attraktivität für einen möglichen Gastronom nicht noch weiter zu steigern, ruht derzeit eines der letzten Park-Fiction-Projekte: der Seeräuberinnenbrunnen, ein Springbrunnen mit den gläsernen, übermenschlich großen Figuren zweier Seeräuberinnen, wird vorerst nicht gebaut.

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