Eine Institution, mit der man rechnen muss
- Kommentar zum Besuch beim Planerladen in Dortmund von Katrin Steiner -
Der Besuch beim Planerladen in Dortmund hat sich in vielem von den vorigen Besuchen unterschieden. Da der Planerladen aus einem universitären Projekt entstand und viele RaumplanerInnen und ArchitektInnen sich hier engagierten und noch engagieren, ist die Perspektive meines Erachtens eine andere: Wie ist Mitbestimmung gerade auch in Auseinandersetzung mit städtischen Institutionen möglich, welche Gruppen gibt es, welche Konflikte und Interessen gibt es? Wie kann eine Planung mit den Leuten aus dem betroffenen Stadtteil aussehen?
Von der Schwierigkeit der Selbstorganisation
Dabei hat der Planerladen augenscheinlich auch eine gewisse Entwicklung durchgemacht: Heute sieht er sich mehr denn je als Fürsprecher für die Menschen aus der Dortmunder Nordstadt, stellt damit aber noch eine Ebene zwischen Basis und Stadt dar. Im Gespräch wurde eine gewisse Ratlosigkeit deutlich, weil die Selbstorganisationsbereitschaft gerade bei Betroffenen in der Dortmunder Nordstadt eher gering ausgeprägt ist und die Menschen nur schwer zu einem Engagement bewegt werden können.
Dies haben wir bei anderen Besuchen auch schon erfahren; es stellt sich für mich jedoch auch die Frage der Perspektive auf das, was im Stadtteil passiert, denn das Beispiel Park Fiction hat doch auch gezeigt, dass es möglich ist, die Leute in den Prozess der Erkämpfung des Parks einzubinden. In Hamburg gab es nicht nur ein vielfältiges Team von Leuten aus unterschiedlichen Hintergründen, Kontakten und Möglichkeiten, durch die große Vielfalt von Zugängen konnte das Projekt auch ein Projekt für alle werden.
Vielleicht ist gerade die raumplanerische Perspektive eine, die den Blick für solche Zugänge verstellt?
Politik auf mehreren Ebenen
Andererseits eröffnet sie auch wieder andere Zugänge: In der langjährigen Arbeit gegen und mit der Stadt hat es der Planerladen geschafft, ein großes Netzwerk von ExpertInnen zu etablieren, das immer wieder für die politische Durchsetzung von Projekten aktiviert wird.
Durch ihr ExpertInnentum und ihre Verankerung im Stadtteil selbst ist der Planerladen mittlerweile zu einer Institution geworden, die die Stadt nicht mehr ignorieren kann.
Spannend und neu war für mich hier der Blickwinkel auf die verschiedenen Ebenen der Politik: Gibt es zu einem bestimmten Thema Konflikte mit der städtischen Politik, wie zum Beispiel im Bereich der Vergabe von Wohnungen an MigrantInnen, werden die guten Kontakte zum Land NRW genutzt, um auch von dieser Seite die Stadt unter Druck zu setzen. Mittlerweile ist es dem Planerladen auch gelungen, an EU-Gelder heranzukommen; teilweise sind dort die Richtlinien schon weiter als auf städtischer oder Landesebene.
Eine solche Taktik setzt gute Kenntnis der Sachlage ebenso voraus wie ein gutes, dichtes und funktionierendes Netzwerk von ExpertInnen, die z.B. der Bewerbung des Planerladens um EU-Gelder Nachdruck verleihen. Es ist beeindruckend, wie der Planerladen mit seinen weiteren Gründungen es immer wieder schafft, sich effektiv um Gelder zu bemühen.
Freiräume?
Eine Frage, die mir nach dem Besuch in den Sinn kam, ist jedoch auch, inwieweit die langjährige Praxis des Planerladens nicht auch die Bedingungen für selbstorganisierte Gruppen in der Dortmunder Nordstadt in gewisser Weise mit bestimmt. Durch das enge Kontaktgeflecht des Planerladens mag es für andere Ansätze im Stadtteil nicht ganz so leicht sein, sich auszuprobieren; vielleicht ist dieser Eindruck aber auch den Grenzen unseres Projekts geschuldet, weil wir an einem Tag sicher nur einen ersten Eindruck von den Verhältnissen in der Dortmunder Nordstadt, ebenso in Hamburg, Wuppertal und Berlin, gewinnen konnten. Im Grunde hat die Arbeit zum Thema Selbstorganisation und Politik von unten in globalisierten Städten erst begonnen, und vielleicht ist dies ein Anknüpfungspunkt für ein weitergehendes, investigatives Projekt?