Eindrücke zur Arbeit der medizinischen Flüchtlingshilfe in Berlin
- von Rhoda Viajar -Das Netzwerksystem, das die Organisation aufgebaut hat und betreibt, um auf die medizinischen Bedürfnisse der illegalen MigrantInnen einzugehen, scheint effizient und effektiv zu arbeiten. Die Organisation ist darauf bedacht, die Sicherheitsrisiken der MigrantInnen und ÄrztInnen zu berücksichtigen: Gewährleistung der Anonymität und volle Vertraulichkeit. Da illegale Migration offensichtlich von Seiten des Staates kriminalisiert wird, scheint es keinen anderen Weg zu geben, um mit den realen Problemen mit denen MigrantInnen konfrontiert werden, umzugehen, MigrantInnen, die sich aus verschiedenen Gründen in der Situation befinden, unauffällig in einem anderen Land zu leben.
Das Phänomen der Migration ist komplex. Es ist eng verwoben mit den Prozessen und Politiken der neoliberalen Globalisierung und in nationale und internationale historische Kontexte eingebunden. Das Thema muss auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene behandelt werden.
Vor dem Hintergrund dieser Situation gibt es eindeutig Grenzen für die medizinische Flüchtlingshilfe, die in der Natur der Sache liegen. Es ist deshalb bemerkenswert, dass die Organisation sich nicht nur um die spezifischen medizinischen Bedürfnisse der MigrantInnen kümmert, sondern auch bewusst politische Stellvertreterfunktionen wahrnimmt. Dieser Ansatz, denke ich, ist entscheidend für alle Organisationen, die auf die Probleme der Migration als Konsequenz der Neoliberalisierung reagieren.
Für mich ist klar, dass die medizinische Flüchtlingshilfe nicht das ersetzen will, was sie als Pflicht des Staates begreift. Unter den gegenwärtigen Bedingungen jedoch erkennt sie, dass die unmittelbaren Bedürfnisse der MigrantInnen von AkteurInnen außerhalb des Staates angegangen werden müssen. Da die Organisation keine finanzielle Unterstützung von der Regierung bekommt, ist sie in der Lage, die Gefahr der vollen Kooptation zu vermeiden. Dennoch denke ich, dass sie auch andere mögliche Aktionen versuchen könnte, so dass sie nicht auf die geleistete Dienstleistungsarbeit beschränkt bleibt.
Wie kann das Medibüro die anonymen MigrantInnen und ÄrztInnen ermutigen, an Kampagnen und anderen kollektiven, politischen Aktionen teilzunehmen? Wie kann die Organisation zur politischen Bildung der KundInnen (MigrantInnen) und DienstleisterInnen (ÄrztInnen) beitragen?
Wenn ich an den Sitz des Büros denke, merke ich, dass die Gruppe auch mit Sicherheitsgefährdungen konfrontiert ist und sich unter dem wachsamen Auge der Autoritäten befindet. Wenn die medizinische Flüchtlingshilfe eingeschränkt ist, direkte politische Bildungsarbeit zu leisten, könnte es einige Wege geben, über die sie Materialien und Informationen über Kampagnen und andere politische Initiativen zu Migration zugänglich macht. Beziehungen zu anderen Organisationen könnten weiter gestärkt werden, um eine tiefergehende Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Direktes und offenes politisches Engagement könnte von anderen organisierten Gruppen fortgeführt werden, während das Medibüro die wegbereitende Rolle ausweitet. Über das Zusammenbringen der migrantischen PatientInnen mit ÄrztInnen hinaus kann die Organisation als „unsichtbare Verbindung” zwischen MigrantInnen und / oder ÄrztInnen und anderen politischen Gruppen dienen. Sie kann ihr Netzwerk ausweiten und das Zusammenkommen von Individuen und Gruppen erleichtern, in Richtung einer weitergehenden Bildung und anderen kollektiven Unternehmungen, die Migration betreffen.