Das öffentliche Wohnzimmer

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- Von Karsten Peters -  

Sind die Skulptur Projekte, die in zwei Jahren zum vierten Mal stattfinden werden, unter anderem in dem Geist geboren, die Kunst aus den Museen heraus zu holen, sie zu den Menschen, in die Öffentlichkeit zu bringen, so pflegen die „MünsterArkaden“ einen völlig anderen Umgang mit der Öffentlichkeit und dem öffentlichen Raum.

Kaspar König, Leiter des Museums Ludwig in Köln und einer der Kuratoren der Skulptur Projekte 07, verwundert sich über den Einkaufspalast, darüber, wie dort „ein Wohnzimmer zum öffentlichen Raum gemacht“, das Öffentliche, Äußere also gleichsam nach innen gestülpt wird. Geschützt vor den Unbilden des münsteraner Wetters kann man dort bummeln, einkaufen, von Auslage zu Auslage schlendern. Dabei erweckt die Architektur fast den Eindruck, man befände sich unter freiem Himmel: für einen innerstädtischen Platz groß genug ist das Einkaufszentrum allemal, scheint dann noch die Sonne durchs verglaste Dach, so ist der Eindruck fast perfekt. So gesehen wird hier tatsächlich das Wohnzimmer zum öffentlichen Raum.
Dennoch unterscheidet sich das Innere dieses öffentlichen Wohnzimmers in wesentlichen Punkten von Prinzipalmarkt und Ludgeristraße. In den „MünsterArkaden“ haben Eigentümer und Pächter den Zweck klar definiert: Shoppen. In den umgebenden Straßen verhält es sich – noch – etwas anders: zwar steigt der Raum, den die Außengastronomie für sich beansprucht und damit der privatisierte öffentliche Raum beständig an, aber niemand kann Straßenmusiker, Skater oder Obdachlose vertreiben.

Dass sich die verschiedensten Gruppen öffentlichen Raum aneignen, ihn für sich nutzen, ist nicht neu, jeder kann und sollte das tun, die Sonne an der Clemenskirche genießen, an der Ludgeristraße die Tauben beobachten, vor dem Rathaus Lieder von Bob Dylan singen. Neu ist, wie Unternehmen öffentlich scheinende Räume schaffen und für sich nutzbar machen. Neu ist das Wohnzimmer, in dem ein Teil des öffentlichen Lebens stattfindet, das deshalb auf den ersten Blick ein öffentliches Wohnzimmer zu sein scheint.

Indem die MünsterArkaden mit der Möglichkeit zum Einkauf nur einen Teil der Funktionen öffentlichen Raums übernehmen, sich aber zumindest das Recht vorbehalten, nicht alle an dessen Nutzung teilhaben zu lassen, wird hier nicht nur ein Wohnzimmer zum öffentlichen Raum, sondern auch der öffentliche Raum zum Wohnzimmer. Vor der Hand sind die Arkaden jedem zugänglich, jedoch werden deren Betreiber keinen Skater dulden, den sie nicht eingeladen haben, kein Punk wird neben der Rolltreppe einfach nur sitzen dürfen, weil die Sparkasse Münsterland Ost als Eigentümerin und mit ihr die Pächter der Ladenparzellen durch sie ihren Umsatz gefährdet sehen. Auch deshalb wird die Sparkasse nicht auf ihr Hausrecht verzichten, werden die „MünsterArkaden“ nicht zu einem öffentlichen Raum, sondern bleiben ein modern eingerichtetes, ungemütliches Wohnzimmer mit Rolltreppe.

Dem gegenüber nehmen zwar die skulptur projekte alle zehn Jahre aufs Neue öffentlichen Raum in Anspruch, anfangs oft genug unter heftigem Protest aus der Bevölkerung, sie zwingen zur Auseinandersetzung, denn die Objekte zu übersehen, zu ignorieren, ist oft genug unmöglich. Aber die skulptur projekte finden im Freien statt, im öffentlichen Raum, den sie gewissermaßen möblieren, ohne vorzuschreiben, wie die neuen Möbel genutzt werden. Die Giant Poolballs von Claes Oldenburg beispielsweise sind inzwischen so integriert, dass sie regelmäßig besprayt und ebenso regelmäßig wieder grau getüncht werden. Zudem sind sie mittlerweile neben Dom, Prinzipalmarkt und Haverkamp zu einer Art Wahrzeichen der Stadt geworden, also von allen Seiten voll integriert, man hat – und das macht den wesentlichen Unterschied zu den „MünsterArkaden“ aus – von ihnen als Teil des öffentlichen Raums Besitz ergriffen. Das Innere der „MünsterArkaden“ ist lediglich nutzbar, von der monolithischen Fassade ganz zu schweigen.

 Erstmals veröffentlicht in draußen! Das Straßenmagazin, 6/2005

© 2006

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  1. Guten Tag, mein name ist Maike Klemann. Ich bin Schüler der Adolph Kolping Schule in Münster und muss mit meiner Freundin ein Referat in Kunstgeschichte über die Arkaden in Münster halten. Deswegen wollte ich fragen ob Sie vielleicht Informationen hätten über den Bau. Das würde und sehr helfen, da die Architektur ziemlich neu ist.Dankeschön
    Mfg Maike und Martina
    Maike Klemann    Mar 9, 03:12 PM    #
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