Besuch in Wuppertal - Kommentar

- von Graciela Draguicevich -

Café Berlin
(1) Arbeitet vernetzt mit anderen Organisationen, versucht nicht, alles zu zentralisieren, und bringt offenbar recht geschickt unterschiedliche Initiativen zusammen. Es arbeitet mit Leuten am Rande des Systems oder welchen, die schon herausgefallen sind oder vom System verfolgt werden.
(2) Was es unersetzbar macht, dass es sozusagen an der Frontlinie arbeitet. Der Versuch, den endgültigen Absturz zu verhindern. Das Cafe ist eine Zufluchtstür, der Hinweis darauf, dass es andere Lebensbedingungen gibt.

Möbellager
Ein unvollständiges Projekt, frustrierend, es bildet nicht, stellt keine Beziehung her, es ist bloß Arbeit für ein halbes Jahr... und dann? Man merkte, dass die Arbeit nicht für alle reichte, was dazu führte dass viele nichts machen konnten. Das Projekt schien ohne klare Zielsetzung durchgeführt zu werden, und ohne die Situation der Leute dort zu erfassen. Es könnte ein guter Ausweg sein, wird aber formal durchgeführt.

Tafel
(1) Arbeitet zu den absoluten Grundbedürfnissen wie Hunger und Gesundheit, die wirklich lebenswichtig sind, aber trotz der „Schwere“ des Arbeitsfeldes fiel das angenehme Ambiente auf, die Herzlichkeit, Sauberkeit, gute Organisation; es wurden Lebensmittel zum nach Hause mitnehmen ausgeteilt, alles in allem eine sehr gute Behandlung.
(2) Alles läuft auf Spendenbasis, was theoretisch zur Verschlechterung Situation beitragen könnte (schlechte Qualität der Lebensmittel, schlechte Erscheinung, fiese Sachen), aber ganz im Gegenteil, alles war von sehr guter Qualität... Man könnte meinen, dass die Spender sich des Problems bewusst sind, was ein Hinweis auf ein entwickeltes Bewusstsein und auch auf den Aufbau eines Netzwerks wäre, eine sehr positive Sache.
(3) Die Organisation geht raus auf die Strassen, um auch diejenigen zu erreichen, die aufgrund fehlender Information, weil es ihnen zu schlecht geht oder vielleicht weil es ihre Würde verletzen würde, noch nicht selbst gekommen sind. Das bedeutet, dass ihre Politik weder formal noch passiv ist.

Autonomes Zentrum
(1) Ganz offensichtlich erlauben die besseren Lebensbedingungen hier, weiter zu denken: an Kultur, Bildung, Vergnügen.
(2) Sie ermutigen und politisieren Gruppen, die sich zwar nicht wirtschaftlich, aber kulturell und sogar ideologisch am Rande des Systems befinden. Sie versuchen, diese in die politischen Kämpfe einzubinden und haben schließlich sogar einen Aufenthaltsorts gefunden, was vor allem in der Jugend sehr wichtig ist, oder für neu Zugewanderte.
Bei allen merkte man: Ambivalente Haltung zum Staat, negatives Kräfteverhältnis, fehlende Finanzen, Schwierigkeiten mit Selbstverwaltung, Probleme mit Ehrenamtlichkeit.


Kommentare
Ich frage mich: Was sind die grundsätzlichen Ziele dieser NgO? Haben sich die Ziele im Laufe der Zeit geändert? Worauf sind die Anstrengungen gerichtet? In welchem Zeitraum werden die Ziele erreicht? Wir müssen dabei einige Vorraussetzungen beachten: In dieser Welt wird es nicht mehr Vollbeschäftigung für alle geben. Die Welt wird immer ungerechter sein. Es gibt immer weniger nicht-erneuerbare Ressourcen. Der Klimawandel wird die Lebensqualität verschlechtern. Daher müssen wir soziale Organisationen verstärkt daran arbeiten, dass wir selbst Arbeit schaffen; dass wir Strukturen erzeugen, die den Staat herausfordern; dass wir unabhängig von unserer thematischen Ausrichtung die Aufgaben Umweltschutz und Wahrung des Ökosystems permanent in unserer Arbeit verankern.


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