Besuch beim Planerladen Dortmund - Kommentar

- von Rhoda Viajar -
Der Planerladen in Dortmund kam mir recht vertraut vor. Die Natur der Projekte, die Rationalisierungen dahinter und die damit zusammenhängenden Prozesse sind denen ähnlich, die in einigen Entwicklungsprojekten auf den Philippinen angewandt werden.

Parallelen zu den Philippinen
Einige Gruppen auf den Philippinen sind ungeduldig und frustriert wegen der Ineffizienz der Regierung. Sie haben vergeblich größere Zuwendungen für soziale Dienstleistungen und weniger Schuldenrückzahlungen gefordert, und auch lebenswichtige Infrastruktur und öffentliche Güter wurden und werden kontinuierlich vernachlässigt.
Mit den Ressourcen von Entwicklungsagenturen, multilateralen Institutionen ebenso wie denen des Staates packen lokale Initiativen soziale, ökonomische, politische und kulturelle Probleme an. Diese Initiativen sollten nicht einfach außer acht gelassen werden, denn sie haben Veränderungen im Leben der Menschen bewirkt. Die Erfolge dieser Initiativen haben viel mit der partizipativen Natur ihrer Projekte zu tun und damit, wie SozialarbeiterInnen es geschafft haben, Gemeinschaften effektiv zu organisieren und zu ermächtigen. Dennoch sind diese Projekte auch in Gefahr, das neoliberale System aufrechtzuerhalten.

Einige Eindrücke und Fragen
Mir scheint, der Planerladen erhält das System aufrecht und reproduziert die Strategien des Neoliberalismus, und zwar durch Folgendes:

1. Schuldnerberatung
Funktioniert diese Schuldnerberatung wie ein kleiner Internationaler Währungsfonds? Als finanzielle Ratgeber berät der Planerladen Menschen, die Schwierigkeiten haben, Schulden zurückzuzahlen. Auf diese Weise, zur selben Zeit wie er Unterstützung für Menschen mit Schulden anbietet (gegen Bezahlung?), stellt der Planerladen sicher, dass der Staat in der Lage ist, Zahlungen einzutreiben.

2. Image-schaffende Projekte
Versuchen diese Projekte, Armut, Kriminalität und soziale Probleme wie Drogenabhängigkeit zu verstecken / zu unterdrücken, um den Eindruck zu erwecken, der Neoliberalismus sei erfolgreich darin, die Städte und die Lebensumstände der Menschen zu verbessern? Es scheint so zu sein, dass diese Initiativen hoffen, dass Kapital und Investitionen fließen werden, und dass diese später zur Verbesserung der Lebensumstände führen. Aber die Frage ist: Wie werden die Ärmsten, Verletzlichsten und am meisten Marginalisierten davon profitieren?

3. Erziehung und Begegnung
Die Sprachkurse für ImmigrantInnen, Treffpunkte / Räume für Frauentreffen, Hausaufgabenbetreuung für Kinder – diese Projekte reagieren und gehen unbestreitbar auf spezifische Bedürfnisse ein, die notwendig in das System integriert werden müssen. Offensichtlich hat der Planerladen bewiesen, dass er in der Lage ist, Dienstleistungen effizient durchzuführen, die der Staat nicht länger übernehmen will. Er hat effektiv die Arbeit des Staates ersetzt. Deshalb sind die Menschen im Planerladen vielleicht „Apologeten“ des Staates geworden.

Fazit
Es ist meiner Meinung nach bewundernswert, dass die Menschen im Planerladen versuchen, Veränderungen / Verbesserungen im Leben einiger Menschen herbeizuführen, indem sie ihre Expertise nutzen. Da sie aber Veränderungen herbeiführen, indem sie mit dem Staat zusammenarbeiten, sind sie irgendwie vielleicht kooptiert worden. Und dies mag nicht ganz unerwartet sein, weil es mir vorkommt, dass auch sie an die neoliberale Philosophie glauben. Ich denke nicht, dass sie Kooptation als Problem sehen. Vielleicht ist Kooptation genau ihre Strategie.

Bericht zum Besuch in Dortmund von Ludger Weckel
Kommentar von Graciela Draguicevich
"Von Kinshasa nach Dortmund – Vergleichbare Entwicklungen von Initiativen und die Konsequenzen" - Kommentar von Boniface Mabanza
"Eine Institution, mit der man rechnen muss" Kommentar von Katrin Steiner
Das Besuchsprogramm im Februar und März 2006

 


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