(Wieder-)Aneignung

Die gegenwärtige neoliberale Umgestaltung der Städte in Süd und Nord ist gekennzeichnet durch Privatisierungen, z.B. in den Bereichen Wasser oder Energieversorgung, ebenso werden soziale Rechte wie z. B. das Recht auf eine angemessene Gesundheitsversorgung, immer weiter eingeschränkt.
Häufig formiert sich in den Städten Widerstand gegen solche Prozesse, es werden Häuser besetzt, Bürgerentscheide angeregt und Kampagnen durchgeführt. Diese Kämpfe wehren jedoch häufig nur Privatisierungen ab, breite Bewegungen gegen die neoliberale Globalisierung entstand daraus nur selten.
Unter dem Begriff „Aneignung“ wollen wir deshalb diese Kämpfe unter der Perspektive von Autonomie, Alternativen und Möglichkeiten und Bedingungen von Handlungsfähigkeit diskutieren.

Vorläufig verstehen wir Aneignung als politische Praxis, in der Menschen sich hier und jetzt kollektiv das nehmen, was sie zum Leben brauchen, ohne nach der Legalität zu fragen – vom Theaterbesuch bis zur Lebensmittelbeschaffung. Durch solche Aneignungspraxis wird die Forderung nach sozialen, politischen und ökonomischen Rechten für alle öffentlich gemacht.
Aneignung bedeutet auch, Freiräume zu schaffen, in denen Anderes gedacht werden kann und in denen die gegenwärtigen Verhältnisse hinterfragt werden können, um sie zu verändern.

Aneignung ist ein ambivalenter und vielschichtiger Begriff. Wir sind uns dessen durchaus bewusst, gerade deshalb wollen wir ihn hier und innerhalb des Projekts immer wieder zur Diskussion stellen. Dies soll beispielhaft und konkret anhand der drei Bereiche öffentliche Güter, öffentliche Räume und staatliche Gewalt als Verhinderung von Aneignung geschehen.